Das Leben steckt dort, wo Perfektion niemals hinkommt

Jahre mussten vergehen bis ich heute begreife, dass es keinen Sinn macht durch das Leben zu hetzen, um den nächsten Schritt zu erreichen. Den erreichen wir nämlich so oder so, ob geplant oder ungeplant, ob schnell und hastig oder in Ruhe und bewusst.

Irgendwann steht jeder vor dem „nächsten Schritt“ – einem Lebensabschnitt, der unser Leben anders gestaltet, nicht verbessert. Zwar warten wir ständig auf bessere Zeiten, doch vergessen dabei, dass es eine bessere Zeit gar nicht gibt. Wir sind ungeduldig und strebsam, manchmal sogar übereilig. Denn sobald die Zeit, in der wir gerade leben vorüber ist, warten bessere auf uns – das nehmen wir an. Unsere Erwartungen sind hoch, unsere Wünsche im Grunde bodenständig. Wir warten ganz einfach auf bessere Zeiten, ohne zu wissen, dass Zeiten nicht besser werden, sondern anders. Zeiten vergehen – und damit auch das Leben. Es verändert sich, wird dadurch nicht zwingend besser, aber immer anders.

Zielstrebigkeit, Disziplin und Ungeduld ließen mich gegen die Zeit rennen. Ich wollte schnell Ziele erreichen, am besten zwei, drei Schritte überspringen. Als unnötige Zeitverschwendung empfand ich den mühsamen Weg dorthin. Jahre mussten vergehen bis ich nun endlich begreife, dass das Ziel gar nicht das Ziel war, sondern der Weg. Der nächste Schritt war in meinen Vorstellungen immer der Beginn eines besseren Lebensabschnitts, einer besseren Zeit. Schließlich brachte er mich immer weiter. Jetzt verstehe ich, dass der Weg, den ich bis zum nächsten Ziel passierte, eigentlich das ist, was mir in Erinnerung bleibt. Heute bedauere ich es, dass ich genau diesen Weg nicht genossen, sondern im Rennen gegen die Zeit überquert habe.

Das Leben verbirgt sich nicht hinter dem Ziel, das Leben steckt zwischen drin. Es ist genau dort, wo Schwierigkeiten auftreten und gelöst werden und dort wo Ärger und Freude entstehen. Es ist überall dort, wo Projekte beginnen, nicht enden und genau dort wo Perfektion niemals hinkommt. Denn ist etwas perfekt, braucht es keine Entwicklung, keine Veränderung. Das Leben aber IST Entwicklung. Es vergeht mit der Zeit, es verändert, wird nicht besser, nur anders.

Das zentrale Adjektiv, das die Zeit beschreibt ist also schlichtweg „anders“. Es trifft zu auf die Zukunft und auf die Vergangenheit. Früher war nicht alles besser, es war anders und genau so wird es auch später sein. Vielleicht in einem Jahr, vielleicht aber auch erst in zehn. Und alles, was uns dabei in Erinnerung bleibt, ist das was unser Leben ausmacht.

So möchte ich mich dieses Jahr bemühen, nicht mehr hastig und eilig zum nächsten Ziel zu rennen, sondern die Zeit bis dorthin bewusst zu erleben.

 

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2 Gedanken zu „Das Leben steckt dort, wo Perfektion niemals hinkommt“

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